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Im Fall des Falles wird abgeseilt - Neuer Rettungsplan für Münsterturm / 170 000 Gäste jährlich
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Im Fall des Falles soll der Münsterturm keine Falle sein. Die „Südbadische Interessengemeinschaft Rettungswesen“ hat in den zurückliegenden Tagen einen Plan erarbeitet, der dazu verhelfen sol., Menschen, die auf oder über den engen Wendeltreppen stürzen, so rasch wie möglich zu bergen.

Wie berichtet, musste die Bergwacht am 30. Dezember 2000 von der Galerie des Münsterturmes die Leiche eines 60-Jährigen abseilen, der nach der Turmbesteigung einem Herzinfarkt erlegen war. Die steilen Wendeltreppen nämlich sind viel zu eng, um Menschen auf einer Trage zu bergen. Und an Stufen fehlt es nicht: Bis zum Glockenstuhl über der Sterngalerie führen im Treppenhaus an der Südseite 155 Stufen, bis zur Türmerstube sind´s weitere 54, über eine extrem enge Wendeltreppe an der Nordseite führen 56; und dann folgen noch 70 Stufen bis zur Galerie am Ansatz des Turmhelmes. Ein Lift für Notfälle? Ja. seit den Dreißiger Jahren gibt´s auch einen Aufzug an der Nordseite des Turmes. Der freilich endet schon einige Meter unterhalb der Sterngalerie.

Jahr für Jahr aber erklimmen 70000 Besucher die weit höher liegenden Zonen: Jene Bereiche also, in denen eine Herzattacke oder ein Beinbruch nach einem Treppensturz fatal werden können.

Angesichts wachsender Besucherzahlen hat nun Bernhard Kühn als Vorsitzender der „Interessengemeinschaft Rettungswesen“ alle potentielle Helfer an einen Tisch gebracht. In Kooperation mit der Polizei, der Feuerwehr, der Münsterbauhütte, der Bergwacht; dem Roten Kreuz und den Maltesern wurde ein Rettungsplan konzipiert, der im Notfall für rasche Bergung bürgen soll.

Nach diesem Konzept hat der Turmwächter die Rettungsleitstelle über den Standort des Patienten zu informieren, und die Zentrale alarmiert künftig in jedem Fall neben den Rettungsdiensten für die medizinische Hilfe auch die Bergwacht. Da nämlich die Drehleiter der Feuerwehr kaum über 30m-Zone hinausreicht, erscheint es unerlässlich, gehunfähige Patienten aus großer Höhe innerhalb und außerhalb des Turmes nach unten auf den Münsterplatz abzuseilen. Auch daran ist gedacht: Bei Notlagen an Galerie könnten die Patienten auch vom Hubschrauber der Basler Rettungsflugwacht nach oben geholt werden.

Im Mai oder Juni schon wollen die Beteiligten Gruppen ihr Konzept in einer Übung am Münsterturm praktisch proben. Davon sind Bernhard Kühn und Münsterbaumeister Manfred Sass schon jetzt überzeugt: „Wir sind in der Vorsorge für medizinische Notlagen auf diesem vielbesuchten Turm einen
Guten Schritt voran gekommen.“ Reinhard Leßner


(Quelle: Badische Zeitung vom 15.07.2001)


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  Notfalltipp des Tages:  Helfen ist Ehrensache. Wegschauen ist feige!

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