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2. Münstertäler Notfallsymposium der Südbadischen Interessengemeinschaft Rettungswesen im Kloster St. Trudpert - Im Zweifelsfall geht Bedarf vor Wirtschaftlichkeit
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MÜNSTERTAL (mi). Wie wirtschaftlich darf oder kann der Rettungsdienst sein? Diese Frage diskutierte die Südbadische Interessengemeinschaft Rettungswesen (SIGR) im Rahmen ihres ,,2. Münstertäler Notfall-Symposiums“ im Kloster St Trudpert mit namhaften Fachleuten. SIGR-Vorsitzender Bern Kühn, Freiburg, hatte dazu Referenten verschiedener Verbände und Institutionen aus mehreren Bundesländern gewinnen können Wirtschaftlichkeit im Rettungsdienst (RD) erläuterte aus der Sicht der Kostenträger Ulrich Schrei AOK-Landesverband Hessen Dieselbe Thematik aus der Sicht der Hilfsorganisationen beleucht ehemalige Geschäftsführer des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg, Werner Steinmetz, Stuttgart. Für die eigenständigen Krankentransport- und Rettungsdienstunternehmen nahm dazu Stellung Pokowietz aus Bochum, Pressesprecher des Bundesverbandes eigenständiger Rettungsdienste Vogt aus Offenburg vertrat als Sprecher der Gewerkschaft ÖTV die Ansichten des Rettungsfachpersonals zur Thematik Rettungsdienst und Wirtschaftlichkeit.

Analog zum 1 Münstertäler Symposium vor einem Jahr, als das Fazit zu einem grenzüberschreitenden Rettungswesen in der Regio oder gar in Europa sehr ernüchternd ausfiel, war auch diesmal rasch klar, dass das (Notfall-)Rettungswesen angesichts der recht unterschiedlichen Handhabung von Leistung Kosten in den 16 deutschen Bundesländern kaum Vergleiche zulässt.

Noch bewegen sich, wie der SIGR-Vorsitzende Kühn sagte, die Transportkosten im RD bei nur zwei Prozent des Gesamtausgabenetats der Krankenkassen - jedoch mit deutlich steigender Tendenz. Dies bestätigte auch der AOK-Landesvorsitzende Ulrich Schreiner aus Hessen mit einer dortigen Steigerungsrate von über neun Prozent im Jahr. Ganz entscheidend bestimmt werde das Kostenvolumen im RD durch die so genannte „Hilfsfrist“ und das „Sicherheitsniveau“, die in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich definiert und gehandhabt werden. Je kürzer die Hilfsfristen Gesetzgeber vorgegeben werden (meist etwa zehn bis 15 Minuten vom Notrufeingang bis zum Hilfseinsatz vor Ort), desto umfangreicher ist die Vorhaltung an Personal und Fahrzeugpark und höher sind die Kosten im RD.

Einsparungsmöglichkeiten sieht der AOK-Sprecher in der Reduzierung von Leitstellen und in der stärkeren Konzentrierung und Standardisierung von Rettungsmitteln sowie in einer zentralen Kostenabrechnung.

Aus der Sicht der Hilfsorganisationen betonte der langjährige baden-württembergische DRK- Landesgeschäftsführer Werner Steinmetz den hohen Präventiv-Charakter jeglicher Notfallrettung, denn damit könnten unter Umständen die Therapie- und Nachsorgekosten ganz erheblich reduziert werden - eine „Wirtschaftlichkeit“, die sich oft erst nach Jahren einstelle. Mit dem Rettungsdienstgesetz- novelliert in den Jahren 1983 und 1991 - und 37 Rettungsleitstellen im Land stehe der RD in Baden-Württemberg auf dem festen Fundament der im Lande tätigen vier Hilfsorganisationen dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), dem Malteserhilfsdienst (MHD), dem Arbeiter Samariterbund (ASB) und der Johanniter Unfallhilfe (JUH) - vielfach auch in enger Kooperation mit den örtlichen Feuerwehre Werner Steinmetz.

Da Rettungsdienst keine Ware ist, müsse der Wirtschaftlichkeitsgrundsatz auf das Rettungswesens modifiziert werden und zwar in der Weise, dass mit dem durch die Planung vorgegebenen Aufwand an Personal und Rettungsqualität der bedarfsgerechte Erfolg unter Einhaltung der Hilfsfrist erzielt wird. „Im Zweifelsfall geht Bedarfsgerechtigkeit vor Wirtschaftlichkeit“, schloss Werner Steinmetz.


(Quelle: Badische Zeitung vom 23.04.2001)


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